Nicht jeder Zettel im Hausflur ist passive Aggression.
Wasser wird abgestellt, Handwerker kommen, Haustür ist defekt – für Dinge, die wirklich alle betreffen, ist eine sichtbare Nachricht am gemeinsamen Eingang ziemlich logisch.
Vielleicht ist nicht das Medium das Problem, sondern meistens der Ton.
Bitte Tür leise schließen.
Völlig normale Bitte.
BITTE DIE TÜR LEISE SCHLIESSEN!!!
Dieselbe Tür.
Deutlich größere Außenpolitik.
Wenn Wasser, Heizung oder Aufzug ausfallen, möchte ich auf einem Hauszettel vor allem drei Dinge lesen: wann, ungefähr wie lange und wen man bei Problemen erreicht. „Wegen Arbeiten vorübergehend nicht verfügbar“ ist korrekt, hilft meinem Tagesplan aber nur begrenzt.
Wenn mich im Haus wirklich etwas stört, würde ich einen Zettel lieber konkret halten.
„Die Kellertür fällt nachts sehr laut zu. Könnt ihr bitte darauf achten? – Wohnung 3.“
Dann weiß zumindest jeder, worum es geht und bei wem man nachfragen kann.
Bei uns hing mal ein Zettel:
„BITTE DIE HAUSTÜR NICHT SO LAUT ZUWERFEN!!!“
Zwei Tage später darunter:
„Dann stellen Sie den Türschließer richtig ein.“
Noch einen Tag später war beides weg.
Ich habe nie erfahren, wer gewonnen hat.
„An die betreffende Person: Bitte künftig Rücksicht nehmen.“
Zwölf Wohnungen lesen den Zettel.
Elf denken: hoffentlich nicht ich.
Eine denkt möglicherweise gar nichts.
Anonyme Allgemeinheit ist erstaunlich gut darin, sehr viele Menschen und gleichzeitig niemanden direkt anzusprechen.
„Schlüssel im Treppenhaus gefunden, liegt bei Wohnung 7.“ Kein Vorwurf, keine Ausrufezeichen, keine Hausordnung. Vielleicht braucht der Ruf des Hausflurzettels einfach mehr solcher Folgen.
Eine WhatsApp-Hausgruppe ist schnell, aber nur für die Menschen sichtbar, die überhaupt darin sind. Neuer Mieter, ältere Nachbarin, Person ohne Gruppe – der Zettel an der Haustür hat einen altmodischen Vorteil: Er braucht keine Einladung.
Zettel: „Bitte Fahrräder entfernen.“
Darunter: „Wohin denn?“
Darunter: „Keller.“
Darunter: „Welcher Keller?“
Das Internet wurde erfolgreich auf DIN A4 nachgebaut.
Für manche Hausinformationen reicht ein Satz. Für Bauarbeiten über drei Wochen eher nicht. Ein kurzer Aushang mit Datum und QR-Code zu den Details ist wahrscheinlich eine der seltenen Situationen, in denen Papier und digital ziemlich friedlich zusammenarbeiten können.
Manche Hausflure haben eine eigene kleine Zeitschicht.
„Bitte keine Pakete hier abstellen.“
„Heizung wird Dienstag abgelesen.“
„Fahrrad bitte bis Freitag entfernen.“
Drei Monate später hängt alles noch da und niemand weiß, welche Gegenwart gerade gilt.
Hausflurzettel faszinieren mich, weil offenbar niemand klingeln möchte, aber alle bereit sind, eine Nachricht für zwölf Wohnungen zu veröffentlichen.
Bei meinem alten Haus ging es einmal um Schuhe vor der Tür.
Ich hatte keine Schuhe draußen und habe den Zettel trotzdem dreimal gelesen.
Man will ja informiert bleiben.
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